Mittwoch, 26. Januar 2011

Tag des Abschieds

26.Jan.'11

Heute morgen sehen ich Schnee draußen! Fieser, matschiger, nasskalter Schnee! Ein trauriges Wetter, das gegen Mittag in Regen übergeht. Heute habe ich wieder Arbeit und muß Valentina und ihre Familie verlassen. Packen, Bett abziehen, Ordnung machen. Ich war lange hier zu Gast! Iko und Schu sagen mir beim Abschied Dank dafür, das ich da war, dabei muß ich mich bedanken, das ich hier sein durfte! Ich weiß wie traurig meine Geschwister waren, als ihnen nahegelegt wurde nicht zu kommen, um die Ruhe, Würde und Diskretion zwischen Valentina's Geburtstag und ihrem Himmelsfest zu wahren. Aus den Kommentaren der Schwestern kann ich lesen, wie nah sie Iko stehen, und welche Sorge sie mittragen. Ich hatte das Privileg, dabei sein zu dürfen, von kurz nach Valentina's Taufe, bis zu dem Moment, wo wir tränenblind ihren weltlichen Körper bestattet haben. Danke, Iko und Schu, und Danke Dir, Valentina! Die Zeit mit Euch war beeindruckend! Es war so liebevoll und herzlich.
Du, Valentina hast mich stolz und unsicher zugleich gemacht, als ich Dich auf den Arm nehmen durfte. Du warst so klein und süß, hoffentlich war's nicht zu stressig für Dich. Danke Dir auch, für die starke Gemeinschaft, die wir durch gemeinsames Trauern, Beten, Singen und auch Freuen geworden sind, Du, Deine Eltern, Omsi, Wopi und Martina, Lolo neni, Tina und Rapho, M-I, auch Anna und Edina, und Deine Geschwister!

Dienstag, 25. Januar 2011


Danke für Eure Kommentare zu dem Blog-Bild.
Stelle mir die Brücke dahinter als Übergang ins ewige Leben vor. Das durchsichtige Tor soll zeigen, das durch den Tod die Verbindung zu den von uns gegangenen Geliebten nicht abreißt. Das spärliche Grün an dem Baum rechts verheißt Hoffnung, auch wenn jetzt noch alles kalt und grau ist. Das Tor steht halboffen, wie für eine kleine Person, die ganz leicht hindurchschlüpft, so wie die vielen kleinen, unschuldigen Seelen, sie unbefleckt in den Himmel gehen. Sie gehen aus der dunklen Enge in die helle Weite.

Tina und ihre drei lebhaften Jungs sind heute mittag abgereist, der Kindergarten ruft. Dafür kommt Omsi wieder. Plötzlich ist es sehr still im Haus, nur die drei kleinen Eingeborenen tummeln sich noch hier. Am Abend sitzen wir zusammen und reden über das, was Iko bewegt. Ich bin tief beeinduckt, wie klug und stark meine liebe Schwägerin ist, trotz, das der Schmerz immer wieder ganz deutlich in ihrem Gesicht zu lesen ist. Mir ist fast, als ob ich den Nebel, der über ihrer Seele liegt, in ihren Augen sehen kann.
Wie sich so vieles göttlich gefügt hat, so weiß ich heute, wozu ich vor ein paar Monaten den alten, abgegriffenen Soldaten-Rosenkranz meines Großvaters von Omsi bekommen habe! Ich bete eine Runde für Sonne und frischen Wind in Iko's wunder Seele!
Schlaft gut!

Die neue Zeitrechnung klappt nicht!


25.Jan '11
Es klappt nicht, ich hab mich total im Datum vertan! Irgendwie scheint es, als zöge die Zeit plötzlich wieder etwas schneller vorbei, sie schien für ein paar Tage fast stillzustehen. Habe gestern erstaunt festgestellt, das ich nicht heute, sondern erst morgen weg muß, mal wieder was arbeiten! Das ist gut so, denn meine Erkältung ist noch nicht weg.
Langsam drängelt sich die Normalität auch in meinen Alltag, es kommen Anfragen und Aufträge, und ich nehme die Nachrichten wieder wahr. Schreckliche Bilder aus Moskau!



Der bester Freund des Menschen besucht mich am Krankenbett.
Lese im Blog, das Iko letzte Nacht noch sehr lange wach war und auch von Schu war um 1:30 noch eine Multumedia-message und eine Mail gekommen. Tina hatte wohl auch eine schwere Nacht, Ihre Jungs haben immer wieder mal geweint. Ich hab geschlafen wie ein Murmeltier! Hoffendlich geht es Belá besser und Iko konnte sich ausruhen.
Danke für das wunderbare Mongolen-Essen, es war köstlich! Genau das, was ich abends eigentlich nicht essen sollte. ;-) Ob ich das Rückbildungsturnen mit Nadin mitmachen sollte? Der alte Film später und die Drinks waren toll!

Montag, 24. Januar 2011

Einen Tag Auszeit

24.Jan.'11
Gestern hab ich's ganz langsam angehen lassen. Nach einer unruhigen Nacht hab ich lange geschlafen, nach dem Frühstück haben wir eine Wanderung zu Valentina gemacht. Hab gefroren, trotz Schal und Mütze. Die sechs Kinder haben alles was an Blumen zu finden war zu Valentina gebracht. Nach drei Liedern gehe ich mit den Kindern zurück zum Haus. Schu und Iko hatten gen gleichen Gedanken und haben das Singen mit Ihren beweglichen I-Telefonen von Apfel aufgenommen.
Nach einem leichten Mittagessen mache ich Siestea und wache erst auf als der Tatort schon fast vorbei ist! Das war nötig! Unten sitzen Iko und Schu mit Tina, alle anderen sind zurück in den Alltag. Übermorgen ist es auch für mich wieder soweit.
Wir haben nach "Anne Will" (Thema traumatisierte Afghanistan-Veteranen) abgeschaltet und uns noch fast bis Mitternacht angeregt unterhalten. Lustigerweise über Frauenthemen wie die Erfahrungen bei den Geburten. Tina steht der Wassergeburt skeptisch gegenüber, Iko findet es genial. Schu und ich schauen etwas irritiert und lernen einiges über die Länge der Nabeschnur usw. Die zwei multiplen Mamis lassen nix aus!
In meinem Blog finde ich Nachricht von Gabriele, was mich sehr freut! Sie fragt ob sie dies hier lesen dürfe. Ja logo! :-)

Sonntag, 23. Januar 2011

Der erste Tag nach Valentina's Abschied


23.Jan '11
Der gestrige Tag, Tag 1 n.V., war wieder ruhiger. Unseren kleine Schwester hatte ihren 33.Geburtstag! Etwas verknittert trollen wir uns ins MTH um Ihr einen würdigen Abschied zu bereiten. Omsi holt im Dorf eine riesige Käse-Sahne-Torte, kann nicht bezahlen! Kein Portemonaie dabei... Naja, der Bäcker kennt Omsi und stundet ihr den Preis bis Sonntag. Emil und Binse sitzen mit im Auto, letztere hat eins der Blumengestecke auf'm Schoß. Guess who has wet pants when we arrived? Omsi fragt unterwegs Emil, ob Ihr Kerzen zu Hause habt, sie grinst und meint, da wäre ne ganze Sammlung! Also, die Sammlung ist jetzt um einigen Exponate geschrumpft. Ich hoffe das ist ok... Clempüse war überrascht und erfreut, sie hatte nicht damit gerechnet so früh schon gefeiert zu werden.

Moni mußte leider am Mittag abreisen, also wanderten wir zunächst zu dritt zu Valentina. Ihr habt das Grab so schön gestaltet! Schätze, das wird eine Anregung für die anderen sein! ;-)
Rapho und Binse kommen mit Blumen, der Weiße Strauß Rosen gefällt mir in diesem Moment am besten! Toll, das der rotweiße Strauß noch so frisch ist! Nach "Lobe den Herrn meine Seele" schnaufe ich los, den Golf flott machen, Schu trägt Moni den Koffer ins Auto, ich bringe sie zum Zug. Da fährt sie zurück zu ihrer Familie, die gute Trösterin!
Mit gewohnter Gelassenheit managed man das Mitteagessen im Restaurant, danach hab ich ein Date mit Martina. Sie wäscht mir freundlich aber bestimmt den Kopf, und rät mir energisch etwas gegen meine paar Pfund Übergewicht zu tun! Hm. Fahren zur Mayerschen, sie schenkt mir ein Ernährungsfachbuch, das ihr und dem Laver geholfen hat.

Als es dunkel wird, lassen wir unter Rapho's kundiger Leitung den kleinen Heißluftballon starten, mit vielen guten Wünschen und Gebeten für Valentina. Der Himmel ist wolkenverhangen und es ist stockfinster, trotzdem kann man das Leuchten ziemlich lange sehen, als der Ballon höher und höher steigt und Kurs nordwest vom Wind mitgenommen wird.
Beim Abendessen rufen wir unser Schwesterchen an, die inzwischen zu Hause sitzt und traurig ist, nicht dabei sein zu können. Wir lassen sie zu ihrem Geburtstag nocheinmal telefonisch hochleben, da einige nichts im Glas haben, stoßen diejenigen mit Schnitzel an.
Nach dem Abendessen zogen wir in die Kapelle, Andacht halten, so wie wir es seit einer Woche angewöhnt haben. Wir üben die Lieder, die noch nicht so gut klappen, aber singen geht heute nicht ganz so gut.
Der Kamin zieht etwas komisch, jedenfalls kriegte die arme Iko wegen der Meldungen, daß es nach Rauch riecht langsam zuviel. Nachdem die richtigen Fenster offen und die falschen geschlossen sind, zieht der alte Schornstein wieder.
Ich hab mir gestern oder heute irgendwann eine Rotznase eingefangen und empfehle mich. Hab bis eben prima geschlafen, werde jetzt gleich auch weiterpoofen!
Schlaft gut da oben, bis nachher!

Liebe Iko, lieber Schu,
hier eine Erinnerung vom 11.Jan.11. Wir hatten das Gefühl, eine Kerze sollte für Valentina brennen, also haben wir als Erstes die rote Kerze in dem dicken Glas aus'm Esszimmer auf den Altar gestellt, natürlich mit Teller und Tablett drunter. Sah sehr schön aus!

Freitag, 21. Januar 2011

Der schwere Gang


Am Vorabend hatten wir viele gute Gespräche. Iko meinte, die Begriffe Bestattung, Beerdigung, Beisetzung kämen ihr kaum über die Lippen. Was ist das richtige Wort, wenn man einen so jungen Menschen zu Grabe trägt? Wir diskutieren ernsthaft, ob der Begriff Beisetzung nur gilt, wenn man einen verstorbenen in ein Grab beisetzt, in dem schon jemand liegt, also dazulegt... Pater Georg will dazu auch keine befriedigende Antwort geben.



Was ist der Wert des Lebens, wenn jeder Mensch beliebig hätte bis zur zwölften Woche nach gutdünken "weggemacht" hätte werden können? Schauen wir Menschen mit neuem Maßstab an und denken:"Du bist beliebig!"? Pater Georg stellt uns zu später Stunde diese Denkaufgabe. Mein Versuch, der Frage die Spitze zu nehmen indem ich die Frage umdrehe versandet. Was ist der Wert eines Lebens, wo doch jeder Mensch mintestens eine Mutter hatte, die sich für ihn entschieden hat?

Gestern in der Predigt setzte Georg noch einen drauf, und sagte, der Wert des Lebens sei unermesslich, unabhängig davon ob ein Mensch geliebt wird, ob er Glück hat, ob er Erfolg hat oder ob er ein Tunichtgut ist, ob er star oder schwach ist, weil Gott sich für ihn entschieden hat!

Die kleine Kutsche, die Valentina zur Benedictuskapelle bringt, ist von Martina und Wopi mit Blumen geschmückt und sieht zum Glück nicht aus wie ein Beerdigungswagen! Drei Kinder können vorn sitzen, wärend Valentina in ihrem kleinen, weißen Särglein von Schu hinten sicher verstaut wird. Schu und Iko führen den schwarzweißen Ponyhengst, der sehr brav ist, als spüre er, das er diesmal eine besondere Fahrt macht! Der Hengst ist weiß mit schwarzen Punkten und paßt farblich zu Iko & Schu's Dalmatiner, Wantok, der wie der Blitz rechts und links durch die Büsche saust und den herrlichen Winterausflug genießt..
Die 15 Kinder haben von Onkel Ricky jeder einen rosa oder roten Luftballon in Herzform bekommen, einige haben auch drei und mehr ergattert. Als wir durch den Park ziehen, schwebt über dem ganzen Zug eine Wolke aus Ballons. Bestimmt etwas ungewöhnlich, aber es ist ja auch eine Ungewöhnliche Veranstaltung...
Nach achthundert Metern Spaziergang kommen wir an der Benedictuskapelle mit der Familiengruft an. Wopi hat draußen weiße Blumen gepflanzt und innen haben Omsi und Tante Marie-Ines das offene Grab wunderschön mit herzförmigen Gestecken aus verschiedenen Blumen geschmückt. Die Grabwände sind mit weißen Tuch ausgehängt, an der Stirnseite hängt, rotweiß, unsere Familienfarbe.

Nun ist es soweit. Der tapfere Schu trägt seine Tochter von der Kutsche die fünf Stufen rauf in die Kapelle zu der offenen Grabstelle. Rapho und Lusi spielen Geige und Herr Raab Gitarre. Ich kann kaum mitsingen, hab einen harten Kloß im Hals. Einige Kinder sind mit ihren Ballons ganz nah am Grab. Pater Georg spricht einfühlend, liebevoll, segnet das Grab und Valentina. An zwei weichen, weißen Stoffbahnen läßt Schu mit einem Helfer Valentina in ihr Grab runter. Unfaßbarer Schmerz! Tränen verschleinern mir den Blick, das geht den meißten so. Zuwenig Tempotaschentücher! Jetzt auch noch, wenn ich versuche, meine Eindrücke aufzuschreiben.
Ich sehe Schu, meinen starken, klugen, kleinen Bruder neben Iko, er nimmt ihre Hand. Es geht duch Mark und Bein, meine nächste Familie so traurig zu wissen.
Wo ist Ilona? Sie steht im Hintergrund neben ihrem Vater, mit roten Augen und feuchtem Gesicht, wie die Meißten, und schaut auf Iko, ihre einzge Schwester. Merkwürdigerweise frage ich mich gerade, wie Ilo sich fühlt, die doch die ganzen letzten sieben Monate so nah dabei gewesen ist, die sich aufgerieben hat, Ihrer Schwester beizustehen und sie zu beschützen. Jetzt schaut Omsi zu mir und macht Zeichen, sie hat die dreijährige Ida an der Hand, und möchte das ich mit ihr zusammen an's Grab gehe. Da unten steht die kleine, weiße Wiege mit Valentinas Körper also, es liegen bunte Blumensträußchen und rote und weiße Rosenblätter drauf. Omsi ist beschäftigt Ida zu zeigen, wie man Blumen ins Grab wirft, -Contenance, die Kinder! Mein Versuch zu beten oder wenigstens schnell etwas frommes zu denken schlägt kläglich fehl. Müsli im Hirn! Wir wenden uns zur Tür, aber ich hab das Gefühl, ich kann nicht einfach so rausgehen, da sitzen Iko und Schu mit ihren Kindern am Grab ihrer Tochter! Stelle mich einfach hinter sie, Worte sind sowas von fehl am Platz, krieg eh keinen Ton raus. Jetzt merke ich, das Raphi die ganze Zeit Geige spielt. Haben Lusi und Herr Raab mitgespielt? Ich weiß nicht mehr. Die Kapelle leert sich, die ganze Gesellschaft steht draußen und wartet, was jetzt passiert. Schu erklärt den Kindern, sie dürften auf der Kutsche mit zurückfahren, aber erst lassen wir für Valentina die Luftballons fliegen. Countdown 3-2-1 los! Eine kleine Wolke rosaroter Herzen steigt auf in den grauen, winterlichen Himmel.

Wärend Iko und Shu sich die Zeit nehmen nochmal alleine an das Grab zu gehen, machen wir und auf, zurück ins Haus zu Kaffe und dicker Suppe.

Der Nachmittag vergeht mit Gesprächen, für's leibliche Wohl ist gut und reichlich gesorgt. Die Gesellschaft wird kleiner, intensiver. Am Abend gibt's Pizza und Bier. Tante Marie -Ines hat Geburtstag! Wir feiern sie und singen ihr ein Ständchen.
Moni und Iko sitzen zusammen, die gute Moni, die so vielen Eltern trost spendet. Moni scheint zu wissen, was eine Mutter wie Iko jetzt braucht, sie hört freundlich zu.
Ilona und Tina haben eine SD-Karte mit den Fotos des Tages zusammesgestellt und zeigen diese am späten Abend.


Trotz starkem Frost letzte Nacht ist der Weg durch den Park zur Kapelle ziemlich matschig!

Gestern war ausgefüllt mit Besorgungen, kleinen Aufträgen von Schu und Ilona, von Küchendiensten und vor allem, Moni und Tante The an Bahnhof abholen. Das Wetter hatte sich nicht viel verbessert, es war feucht und kalt draußen. Morgens nach dem gemeinsamen Frühstück halfen Rapho und ich T. Marie-Ines und T.Omsi zwei Autoladungen voll Blumengestecke und Deko zur Benedictuskapelle zu bringen. Durch den Regen ist der Weg durch den winterlichen Park weich und matschig geworden und man konnte nicht ganz bis ans Ziel fahren, also wanderten wir mehrfach die letzten fünfhundert Meter mit den schönen Blumen wie eine Karawane von dem befestigten Weg zur Grabkapelle. Wie das so ist, läßt schwere Arbeit wenig Platz für Trauer und Traurigkeit, und Rapho und die Tanten machen Faxen mit den Blumen.
Am Spätnachmittag kam Moni aus Fribourg mit dem Zug an. Obwohl wir uns noch nie begegnet waren, haben wir uns sofort erkannt(sie hatte mich gegoogled). Eine halbe Stunde später kam dann die liebe Tante The an, die wir gleich mit eingesammelt haben. Dann ging's nach Höllinghofen direkt zur Andacht.
Die Andacht in der kleinen Kapelle in Höllinghofen war mal wieder erstaunlich! Es war auch Michael mit seiner Familie gekommen, und Anja mit Ihrer jüngsten Tochter, die Rapho's Ältesten aus Köln mitgebracht hatte. Langsam füllen sich die Bänke. Tina machte Andachtsleitung und Vorbeter, worin ich sie sehr schätze, sie trifft den richtigen Ton und spricht mir aus der Seele. Natürlich wurde es eine sehr lebhafte Veranstaltung mit zwölf (gefühlten 24) Klein- bis Grundschul-Kindern! Ein Glück haben wir einige der Lieder, die wir heute singen wollen, ein paar mal geübt, sonst würde es schwer, sich gegen den natürlichen Geräuschpegel zu behaupten.
Abends kamen noch weitere Gäste aus aller Herren Länder (Hessen) an und wurden in Hotels und ins Mühlentalhaus einquartiert.
Den ganzen Abend bereiten Iko, Ilo, Tina und Rapho die ausgesuchten Bilder und Liedertexte für heute vor, Rapho wechselt mehrfach den Standort im Sauerland, um anständig zu drucken, Anja faltet und falzt, während Moni und ich die Bändchen zum Binden der Heftchen vorbereiten und auf exact 568mm scheiden. Ilona hat ein köstliches Abendessen für ca zwölf Personen gezaubert. Beim Essen erzählte Moni, wie sie vor elf Jahren ihre Tochter Anouk verloren hat, und wie sie zu einer Web-page ownerin geworden ist. Ihre große Erfahrung und ihre ruhige, weise Art über die schmerzlichen Dinge zu sprechen tun unglaublich gut! Prima, Moni, das Du da bist!
Wir machten Blödsinn mit Blumen, lachten bei den vorbereitenden Arbeiten, sind stolz auf das, was fertig ist und gehen freudig an, was noch zu tun ist. Doch wir bereiten keine Party vor, wir bereiten einen Abschied! Treffend sagte Iko abends, das sich die Vorbereitungen irgendwie gleich anfühlen. Es macht mir Sorge, das unsere oberflächliche Freude an den Vorbereitungen Iko und Schu verletzen könnte.
Heute ist noch einiges zu tun, als erstes bin ich Chauffeur für Tante Odila, die um 07:11 am Bahnhof ankommt. Das geht ja schonmal interessant los

Donnerstag, 20. Januar 2011

19.Januar 2011


Gestern war ein schöner Tag. Iko und Schu kamen zum Frühstück runter, es wurden Aufgaben verteilt und der "innere Kreis", wie wir uns seit kurzem spaßhaft nennen, fing ein umfangreiches Tagwerk an.
Schu lud mich ein, mit ihm in die Benedictus-Kapelle, die Begräbnisstelle von Iko's Familie zu gehen. Er erzählte mir von Iko's und seinen Vorstellungen und wir verbrachten zwei bewegende Stunden an dem kalten Ort, wo Valentinas kleiner Körper bald für immer ruhen soll. Die ganze Zeit über will ich diesen Platz schrecklich finden, aber irgendwie klappt das nicht! Die schöne Kapelle liegt in einem wundervollen Park, ist vor Rhododendren umsäumt. Im Sommer muß das unglaublich schön sein! Hier liegen vier Generationen Valentina's Vorfahren, wo wäre meine Nichte also besser aufgehoben, als im Kreis ihrer Familie? Ich find's schön und bin froh, daß wir die Möglichkeit haben, Valentina so beizusetzen! Schu beauftragt mich, die Dekoration der Kapelle zu besorgen. Kleine Sachen, die für die Beisetzung gebraucht werden und die diesen Ort weniger kalt erscheinen lassen...
Tante Omsi kam mit vollem Auto vom Blumengroßmarkt zurück und fängt mit dem Blumenschmuck an
, da konnte ich nützlich sein. Etwas zu tun zu haben erleichtert es sehr! Wie gehe ich damit um, das etwas so Trauriges wie die Beerdigung meiner Nichte passiert?
Am Nachmittag ziehe ich mit Rapho und sechs Kindern ins KiKi-Land nach Menden, so einem Indoor-playground, in dem echt was geboten wird! Zum Glück kommt auch Maiko, das Aupairmädchen, mit, so brauch ich keine Windeln wechseln... Wir wechseln uns ab auf den Sack Flöhe aufzupassen. Belá und Leyla spielen mit mir, obwohl sie mich eigentich gar nicht kennen. Emilia und Florentin toben, klettern, rutschen, schießen mit Kugeln, fahren Autoscooter, Baltasar und Jakobus hängen irgendwie dazwischen. Beim Essen kümmert sich jeder um alle Kinder, bis plötzlich Belá verschwunden ist. Still und heimlich ist er, mit einem halben Zwieback als Proviant, wieder zu den Spielen gewandert. Da das KiKi-Land bald schließt, hole ich ihn zurück, aber als ich mich umdrehe macht sich Belá gleich wieder Richtung Bobbycars auf...

Inzwischen hat es angefangen zu schneien. Nicht gut für die Beerdigung, die Wege sind schon ziemlich weich und nass.

Abends essen die Großen mit Omsi, Rapho schmeißt ne Runde dänische Eisspezialitäten! Danach, wie jeden Abend seit Valentina's Geburt, treffen wir uns in der Kapelle zum Beten und Singen. Ilona macht den Andachtsleiter/In. Ich war nie ein großer Zeremonienfreund, aber hier ist das schön. Iko und Schu bleiben noch eine Weile an Vanentinas... Bettchen, wärend ein müder Rapho versucht, mit Ilo und mir einen Kanon zu erarbeiten. Aber entweder sind wir alle müder als gedacht, oder der Song isset nisch! Ist ja auch schon fast Mitternacht! Ab in die Falle!
Wie wunderbar ist das, eine so starke Familienbindung zu haben!
Heute kommt Moni extra aus Basel her! Bin gespannt, hab schon soviel von ihr gehört!